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Seit 38 Jahren leide ich nun unter Trichotillomanie, d.h. seit meinem
11. Lebensjahr. Ein Jahr zuvor hatten sich meine Eltern getrennt, und
ich kam ins Internat. Man hatte mir und meinem Bruder versprochen, wir
würden ein gemeinsammes Zimmer bekommen, aber als wir im Internat waren,
sagte man uns am zweiten Tag, daß das nicht möglich wäre. Wir wurden getrennt.
Mein Bruder kam in ein anderes Haus, ein sogenanntes Jungenhaus. Dann
lernte ich auch noch am ersten Abend im Internat ein Mädchen kennen, das
zutiefst traurig war und sich für den Tod ihres Vaters schuldig fühlte,
weil sie ihn gebeten hatte, sie im Internat zu besuchen. Auf dem Weg von
ihr nach Hause verunglückte der Vater tödlich. Von da an hatte ich Angst
meine Familienangehörigen zu bitten, mich zu besuchen, denn es könnte
ja einer von ihnen auf dem Heimweg tödlich verunglücken. Ich war also
von Zuhause und von meinem Bruder getrennt. Auch hatte ich meinen Vater
durch die Scheidung verloren. Zusätzlich hatte ich auch noch Angst, den
Rest meiner Familie zu verlieren, weil ihr vielleicht etwas zustoßen könnte.
Das war Streß pur.
Zu der Zeit fing ich mit dem Haarerupfen an. Zuerst am Kopf und später,
eine Weile lang nur, Augenbrauen und Wimpern. Ich sah aus wie nach einer
Chemotherapie. Nach einer Kur an der Nordsee, ca. mit 14 Jahren, ließ
ich meine Augenbrauen und Wimpern in Ruhe, fing aber mit den Kopfhaaren
wieder an. Meine Familie hat immer so getan als würden sie es nicht bemerken.
Da ich starker Allergiker und Astmatiker bin, hat man immer nur gesagt,
ich solle nicht soviel in meinem Gesicht rubbeln, dann würden auch nicht
meine Wimpern und Augenbrauen ausfallen. Mein Opa war Allgemeinarzt, er
hätte es eigentlich wissen müssen. Vor kurzem bat ich meine Mutter um
Kinderfotos auf denen ich keine Augenbrauen und Wimpern habe. Sie behauptete
immer noch, es wäre durch das Rubbeln im Gesicht entstanden. Mit ca.17
Jahren waren meine Schamhaare dran. Ich dachte, daß ich vielleicht so
meine Kopfhaare in Ruhe lassen könnte. Aber weit gefehlt! Als ich 20 Jahre
alt war bemerkte ein Bekannter meines Mannes "Du hast aber einen breiten
Mittelscheitel!" Ich hab mich so ertappt gefühlt. Mein Mann hat lange
gemeint "laß das doch. Ich hab es doch auch geschafft mit dem Fingernägelkauen
aufzuhören, dann schaffst du das doch mit deinen Haaren auch!" Oder "Dann
zupf halt die Haare hinterm Ohr, dann verteilt sich`s etwas". Das hab
ich dann auch gemacht. Die Friseuse hat sich nur gewundert und gemeint,
daß hinter den Ohren nicht die typischen Stellen wären, wo Haare ausfallen.
Ich wollte ihr weißmachen, daß ich an Haarausfall lit. Später riß ich
mir Kopf- und Schamhaare aus und Wimpern und Augenbrauen in Maßen. Durch
das Konzept, beschrieben von Lee Bear, in dem Buch "Alles unter Kontrolle"
( Kapitel 7, S. 185-199*) ging es mir schlagartig lange Zeit viel besser,
und ich konnte mir endlich eine kurze, freche Frisur "leisten" (meine
Haare wuchsen zwar wieder nach, aber an den "meistbeanspruchten Stellen"
sind die Haare weiß geworden und gekräuselt). Durch diesen kleinen Erfolg
(Dank "Lee Baer") motiviert, war mein Gedanke, das bißchen Wissen,
das ich habe, weiterzugeben. Auch glaube ich, daß ein Gedanken- und Erfahrungsaustausch,
z.B.in einer Selbsthilfegruppe einem hilft
die "richtige Behandlung" zu finden.
Eine Möglichkeit dazu habt ihr, wenn Ihr den Fragebogen
der Infostelle Trichotillomanie
in Hamburg ausfüllt und absendet. Außerdem freue ich mich über jede
Art von Hilfe und konstruktiver Kritik
zu meiner Homepage.
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Eure Eva |
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