Familienaufstellung nach Bernd Hellinger  
 

Herkunfts- und Gegenwarts-Systeme ins Lot bringen Festgefahrene Konflikte in Familien sind fehlleitende und energieabsorbierende Störungen unseres Lebensvollzuges.

Sie können auf zwei Ursachen zurückgeführt werden:
Traumatisierende Erfahrungen in der persönlichen Biographie, vor allem in der Zeit der ersten sieben Lebensjahre wie z.B. eine schwierige Schwangerschaft oder Geburt, Isolation (Spitalaufenthalt), Abwesenheit der Eltern, mangelnde Geborgenheit, Ablehnung durch die Eltern, Missbrauch. Systemische Verstrickungen, d.h. unbewusste Bindungen an die Ursprungsfamilie oder -sippe, die die persönliche Entfaltung in Gegenwartsbeziehungen und im Beruf behindern. Im Sichtbarwerden des Systems der Ursprungsfamilie und des gegenwärtigen Beziehungsnetzes gelangt das Wirken der zwischenmenschlich-dynamischen Kräfte ans Licht und weist die Richtung zur Auflösung von Verstrickungen. Die Arbeit macht sich die Feldenergien zu Nutze, die unter den Menschen zu einer "Ordnung der Liebe" tendieren. Wie in einem gut ausbalancierten Mobile findet jedes Mitglied den ihm gemässen Platz. Ans Licht gebracht verlieren die bisher unbewussten Verstrickungen ihre Kraft. Das daraus hervorgehende, neu ausbalancierte Beziehungsbild beginnt in der Folgezeit unvermeidbar seine heilende Wirkkraft zu entfalten.

Das "Familie aufstellen" ist von Bert Hellinger entwickelt worden. Von ihm ist auch eine reichhaltige Literatur über dieses Thema erhältlich.

Familienaufstellung - Möglichkeiten und Nutzen
Grundannahmen und Folgerungen für Familienaufstellungen
Welche Familiensysteme gibt es?
Was können Familienaufstellungen aufklären?
Welche Ursachen für Loyalitätsverbindungen sind bekannt?
Wie läuft eine Familienaufstellungen ab?
Das Beenden einer Familieaufstellung
Ersetzen Familienaufstellungen eine Therapie?
Literatur

 

Familienaufstellung - Möglichkeiten und Nutzen
Es wird viel Gegensätzliches über Familienaufstellungen und Bert Hellinger (der Begründer der Familienaufstellungen) geschrieben, wobei das Spektrum von unabdingbarer Ergänzung zu jeder Therapie oder Lebensphase - bis hin zum gefährlichen Instrument, das nur Unheil anrichtet, reicht. Ich möchte hier aufzeigen was es ist und wie es wirkt.

 

Grundannahmen und Folgerungen für Familienaufstellungen
Die Kenntnisse von Bert Hellinger sind nichts Neues. Schon Freud, Jung und andere Väter der Psychiatrie haben über diese Verbindungen gesprochen, in denen alle Lebewesen mit allen Familienmitgliedern (tot oder lebend) verbunden sind. Freud nannte es "Massenpsyche" und Jung spricht vom "Kollektiven Unbewussten". In der Gestalttherapie wird mit "leeren Stühlen" gesprochen und damit eine Wirkung erzielt.

Wir sind alle ein Teil eines Systems, ob es die Familie, eine Organisation oder das soziale Umfeld ist. Wir sind mit einer übergeordneten Seele verbunden die Zugang zu den Gedanken, Gefühlen und Emotionen von Anderen erlaubt (Bert Hellinger nennt das "Das Wissende Feld"). Jeder hat eine Seele und kennt sogenannte "Seelenverwandte". Menschen können, ohne verbal zu kommunizieren, wahrnehmen was ein Anderer denkt oder fühlt z.B. beim Partner oder bei Zwillingen. Genau so sind auch Familienmitglieder in einem System verbunden und wer in einer Familienaufstellung an dessen Platz steht, hat Zugang zu diesem System.

Erfahrungsgemäss fühlt sich jeder wohl wenn er die Verantwortung für sich und sein Schicksal selber trägt, wenn jüngere den älteren untergeordnet sind und Ausgeschlossene die Zugehörigkeit erlaubt wird. Dann ist jeder respektiert und eigenständig. Wenn Spannungen in einer Familienaufstellung ausgesprochen werden, kommen sie ans Licht und alte Belastungen können losgelassen werden.

 

Welche Familiensysteme gibt es?
Es wird zwischen zwei Familiensystemen unterschieden. Die Herkunftsfamilie ist die Familie in der wir aufgewachsen sind, d.h. Biologische- oder Adoptiveltern, Geschwistern, Großeltern, Urgroßeltern usw. Die Gegenwartsfamilie ist die Familie in der wir jetzt leben d.h. Ehe- oder Lebenspartner, frühere Partner, eigene, Adoptiv- und Stiefkinder, usw. In diese Familien gehören lebende und tote Familienmitglieder dazu, ob wir sie gekannt haben oder nicht, denn auf der seelischen Ebene besteht kein Unterschied. Diese Systeme können durch Aufstellungen sicht- und spürbar gemacht werden.

 

Was können Familienaufstellungen aufklären?
Wer eine brennende Frage oder Problem im Leben hat (Anliegen), kann mit einer Familienaufstellung Klarheit bekommen. Solche Anliegen können sein:

  • Beziehungen zu anderen Personen (z.B. Mutter/Vater) Krankheit (z.B. Krebs, Bulimie)
  • Tragen einer Last im Leben (z.B. Angst, Depression, Schuld)
  • Jemand findet seinen Platz nicht (z.B. Außenseiter )

Solche Symptome könnten sich zeigen als Depressionen, Selbstmordgedanken, Beziehungslosigkeit, Schuldgefühle, nicht dazu zu gehören um nur einige zu nennen. Bert Hellinger nennt das "Verstrickungen", was auch als unbewusste Loyalitätsverbindungen bezeichnet werden kann. Wir alle tragen mit von anderen Familienmitgliedern aus Liebe zur Familie. Wenn diese Verstrickungen ans Licht kommen, und die Zeit reif ist dafür, können sie losgelassen werden und wir können anfangen unser eigenes Leben zu leben.

 

Welche Ursachen für Loyalitätsverbindungen sind bekannt?
Um dazuzugehören sind wir bereit schweres Schicksal auf uns zu nehmen, weil Kinder den Eltern und dem System treu bleiben. Kinder fühlen sich mit früheren Familienmitglieder verbunden und übernehmen ähnliche Gefühle und Schicksale wie sie. Familienmitglieder mit schweren Schicksalen, die einen Einfluss auf unser Leben haben können, sind: Ausgestoßene, Frühverstorbene, frühere Partner, Opfer/Täter, Behinderte. Ereignisse von Bedeutung sind auch Aufenthalt in einer Psychiatrischen Klinik oder Gefängnis, Sucht, Todgeburt, Abtreibungen, weggegebenes Kind, aus der Heimat vertrieben, Eltern mit verschiedenen Nationalitäten, usw.

 

Wie läuft eine Familienaufstellungen ab?
Aufstellungen können in Gruppen oder Einzeln gemacht werden. In Gruppen wird mit Stellvertretern gearbeitet. Einzel wird mit Tischfiguren oder Markierungen auf dem Boden gearbeitet.

Nachdem der Klient sein Anliegen ausgesprochen und die Stellvertreter für seine Familie ausgesucht hat, stellt er sie im Raum so auf, wie sie gemäss seinen inneren Bild, in Beziehung zu einander stehen. Danach wird er zum Zuschauer, wo er den Überblick hat und lässt das Geschehen auf sich wirken. Nachdem die Stellvertreter aufgestellt sind, kommen sie mit dem "Wissenden Feld" dieses Systems in Kontakt. Die Stellvertreter können körperliche Veränderungen und Empfindungen spüren (wie z.B. Kälte/Wärme, Zittern, Schmerz); Gefühle oder Emotionen (wie z.B. Wut, Angst, Unbehagen); nichts fühlen (auch ein Gefühl); Impulse spüren (z.B. ob sie weg wollen oder unbeteiligt sind oder wo es den Blick hinzieht). Alles verschwindet wieder wenn die Stellvertreter aus der Rolle entlassen sind.

Der Leiter erkundigt sich bei den Stellvertretern nach ihrem Empfinden, probiert verschiedene lösende Sätze und Plätze aus und schaut auf ihre Wirkung. Diese lösenden Sätze und Plätze beziehen sich auf die Ordnung im System, das Benennen von Fakten und die wertfreie Achtung der Familiendynamik. Mit geübten Stellvertretern kann eine Aufstellung auch ohne Worte ablaufen und die sogenannten "Bewegungen der Seele" werden von den Stellvertretern befolgt und der Leiter begleitet.

 

Das Beenden einer Familieaufstellung
Das erstrebenswerte Ende einer Familienaufstellung ist wenn sich jeder an seinem Platz wohl fühlt. Ist es angebracht eine Aufstellung abzubrechen, kann das ein wichtiger Anstoß für die Weiterentwicklung des Klienten sein. Ein solcher Abbruch kann angezeigt sein wenn Schlimmes klar wird und es wichtig wäre dieses Bild eine Zeitlang wirken zu lassen. Auch wenn Fakten zur Klärung fehlen, und die Aufstellung deshalb nicht weiter gehen kann, wird abgebrochen. Das innere Bild das wir bisher mit uns herumgetragen haben wird verändert und dadurch eine Veränderung unserer Ansichten und Gefühlen möglich.

 

Ersetzen Familienaufstellungen eine Therapie?
Eine Familienaufstellung ist eine Ergänzung zu anderen Therapien um Klarheit über unsere Verstrickungen und dadurch mögliche Lösungen zu erhalten. Tiefe Schichten können in einer Familienaufstellung berührt werden und es könnte sein, dass danach Teilnehmer Unterstützung bei einem Therapeut brauchen.

 

(Text: Joyce M. Schmid, 9203 Gossau)

 

Literatur:
Zweierlei Glück - Die systemische Psychotherapie Bert Hellingers,
von Gunthard Weber,
338 S.
Gebunden. 2001
Verlag Carl Auer.
ISBN 3-89670-197-5.

Zweierlei Glück beschreibt umfassend die Einsichten und Vorgehensweisen Bert Hellingers In lebendigem und spannendem Wechsel von dichten Vorträgen, Transkripten, Therapieverläufen und Fallvignetten sind viele seiner therapeutischen Geschichten zusammengefasst.

 

Quelle:
http://www.praxis-info.ch/familiestellen.htm
http://www.praxis-info.ch/joyce-m-schmid/familienaufstellung.htm
 

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