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Haareausreißen: Genetische Wurzeln gefunden?
Freitag, 29. September 2006

 
 

Hampshire (ddp). Das zwanghafte Haareausreißen bei Menschen mit der Krankheit Trichotillomanie hat zumindest in einigen Fällen eine genetische Ursache. Das schließen amerikanische Forscher aus einer Studie, in der sie das Erbgut von betroffenen Familien untersuchten. Dabei stießen die Wissenschaftler auf zwei Genveränderungen, die zwar bei den Trichotillomanie-Patienten auftraten, nicht jedoch bei ihren gesunden Verwandten. Die Forscher vermuten, dass diese Abweichungen in etwa fünf Prozent der Trichotillomanie-Fälle den Zwang auslösen, sich immer wieder die Haare auszureißen.

Über die Arbeit berichten Stephan Züchner vom der Duke-Universität in Durham und seine Kollegen in der Fachzeitschrift "Molecular Psychiatry" (Oktober-Ausgabe). Die Forscher untersuchten in ihrer Studie das Erbgut von 44 Familien, bei denen einer oder mehrere Angehörige unter Trichotillomanie litten. Sie konzentrierten sich dabei auf ein Gen namens SLITRK1, von dem bereits bekannt ist, dass es eine Rolle beim Tourette-Syndrom spielt - einer Krankheit, die ebenso wie die Trichotillomanie zu einer Gruppe von Zwangserkrankungen mit einer Störung der Impulskontrolle gehört.

Tatsächlich identifizierten die Wissenschaftler gleich zwei Mutationen im SLITRK1-Gen, die ausschließlich bei Probanden mit dem Zwang zum Haareausreißen auftraten. Das betroffene Gen sei normalerweise an der Bildung der Kontakte zwischen den Gehirnzellen beteiligt, erklären die Wissenschaftler. Die Veränderungen könnten daher dazu führen, dass sich diese Verbindungen im Gehirn nicht korrekt ausbilden, und die falschen Verschaltungen dann den unwiderstehlichen Drang zum Haareausreißen auslösen.

Das Ergebnis sei besonders deswegen interessant, weil es eine biologische Erklärung für eine komplexe psychische Krankheit liefert, schreiben die Forscher. Bisher waren dafür hauptsächlich Umweltfaktoren wie Erlebnisse in der Kindheit, die Erziehung oder spätere Erfahrungen verantwortlich gemacht worden. Sie glauben allerdings nicht, dass SLITRK1 das einzige beteiligte Gen ist. "Es ist wahrscheinlich eines von vielen, die miteinander und mit Umweltfaktoren interagieren und so die Krankheit auslösen", erklärt Allison Ashley-Koch, eine der Mitautorinnen.

Trichotillomanie-Patienten verspüren den immer wiederkehrenden Drang, sich Körper- und Kopfhaare auszureißen. Dabei fühlen sie meist nicht einmal Schmerzen. Da der Zwang zum Haareausreißen häufig in Kombination mit anderen Symptomen wie Depressionen, Angstzuständen, anderen Zwangserkrankungen oder auch dem Tourette-Syndrom auftritt, sind Wissenschaftler noch nicht sicher, ob es sich bei der Trichotillomanie um eine eigenständige Krankheit handelt. Behandelt werden Betroffene im Allgemeinen mit einer Verhaltenstherapie, die häufig gute Erfolge zeigt.

Link:http://debeka.gesundheitsportal-privat.de/de/lexikon/news/index.jsp?id=10909&D=29&M=9&Y=2006

Erschienen in der Oktoberausgabe von Molecular Psychiatry

 

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