Mein Fazit April 2001 |
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Jahre habe ich Haare gezupft, Ursachen für mein Haarezupfen waren wahrscheinlich eine sehr stressige Kindheit mit traumatischen Erlebnissen. Und ein Familienleben in dem es keine Geborgenheit und bedingungslose Mutterliebe gab, statt dessen viel Kritik und Forderungen, die nicht nachvollziehbar und erfüllbar waren. Ich habe für mich herausgefunden, dass TTM nur ein Symptom bei mir war. Ein Symptom für meine geschundene, mißhandelte Seele. Und ich habe herausgefunden, dass nur ich mir helfen kann. Dass ich aus meiner Opferrolle raus muß und dass ich dabei kompetente psychotherapeutische Hilfe brauche, um mich nicht immer im Kreis zu drehen. Seit fast 2 Jahren mache ich nun eine tiefenpsychologisch fundierte Psychotherapie die mir sehr gut tut. Manchmal hatte ich dabei das Gefühl, auf der Stelle zu treten. Aber dann waren es oft nur kleine Momente, als mir wieder „ein Licht aufging". Meistens beim Erzählen. Dann haben sich mir neue Perspektiven aufgetan. Ich habe plötzlich eine Situation in einem neuen Licht gesehen. Ganz wichtig ist das „Feedback" meines Therapeuten, der mir andere Betrachtungswinkel anbietet, die oft zu einem „Aha-Erlebnis" bei mir führen. In den letzten 3 Jahren hatte ich 3 Anläufe genommen mit dem Haarezupfen aufzuhören. In einem Zeitraum von 2-5 Monaten hatte ich es jeweils geschafft keine Haare mehr zu zupfen. Irgendwie klappte es einfach. Einmal war es ein sehr gutes, hilfreiches Gespräch mit meinem Mann über’s Haarezupfen, das andere Mal war es das Buch von Lee Bear „Alles unter Kontrolle". Mal machte mir Stress nichts aus, ein anderes Mal führte er dazu, dass ich wieder mit dem Haarezupfen anfing. Ich dachte mir: wieso klappt es mal, mal nicht? Bis ich darauf kam, dass ich 2 Dinge falsch machte: Zum einen ließ ich mir immer ein Hintertürchen offen. Ich sagte mir dann immer „wenn ich es nicht schaffe macht das nichts, dann fange ich einfach wieder von Vorne an". Bis ich es dann wieder schaffte aufzuhören vergingen Monate und meine Löcher am Kopf waren so groß geworden, dass es sich schon fast wieder nicht lohnte aufzuhören. Es gab sogar eine Zeit da war ich mir des Haarezupfens bewußt und konnte es nicht lassen. Ich „brauchte" es. Mein anderes Problem war eine Mischung aus mangelnder Disziplin und der Unfähigkeit, negative (An)Spannungen auszuhalten. Es ist ähnlich wie beim Rauchen oder beim Alkoholismus (wobei der Unterschied im Suchtstoff liegt den man zu sich nimmt um eine innere Anspannung zu überwinden). Sobald ich eine innere Anspannung*, Leere, Depression fühlte, griff ich zu meinen Haaren. Und es ging mir vorübergehend besser, bis mich eine noch tiefere Scham über mein Versagen und wegen der peinlichen Löcher einholte. Der Trichotillomanie-Infoabend im November 2000 in München war dann der Auslöser mit dem Zupfen aufzuhören. Ich dachte mir: „Ich WILL raus aus diesem Teufelskreis, ich WILL raus aus diesem Elend, ich WILL nicht mehr dazugehören. ICH SCHAFFE DAS!!!!!!!!!! Und von da an war es keine Frage für mich. Es geht weil ich es WILL. Habe ich mal schlechte Tage mit Leere, Depressionen, gibt es negative (An)Spannung HALTE ICH SIE AUS. Und sie gehen vorüber. Ich versuche mir Entspannung über etwas zu holen, das mir Spass macht. Das sieht natürlich für jeden anders aus. Schaffe ich es nicht mich positiv abzulenken, oder ist das Gefühl trotzdem da „mir was gutes tun zu müssen", sprich mir ein Haar auszurupfen, dann geh ich in Gedanken durch, was ein einziges Haar auszurupfen alles nach sich zieht. Ich sage mir dann: „Ok, rupf dir ein Haar aus wenn du meinst, dass dir das gut tut. Und, dann rupfst du noch eins und noch eins wie ich dich kenne. Dann hast du plötzlich ein Loch und bist entsetzt, dass von dem bißchen zupfen schon ein Loch entstanden ist (derweil sind eine halbe Stunde, oder Stunden vergangen die du davon nichts gemerkt hast). Die Stelle die sich beim Zupfen erst nach gar nichts angefühlt hat, fühlt sich plötzlich kalt und anders an und schreit dich an: „warum hast du das getan?" Und dann weiß ich ganz genau: NIE MEHR!!!!!! Und bekomme Panik. Und ich weiß, dass ich nie mehr Haare zupfen möchte! Lieber halte ich dann meine innere (An)Spannung aus, denn sie geht vorüber. Es wird auch immer leichter mit dieser Situation umzugehen und es auszuhalten. Und ich fühle mich gut danach.
* Tja, leider habtte ich es nur 7 Monate durchgehalten. Ein Vorfall im privaten Bereich und meine ganze "Selbstkontrolle", die ich aber anscheinend nie wirklich hatte, waren dahin. Lange habe ich nicht erwähnt, dass ich es doch nicht "geschafft" habe, weil ich niemenden, besonders nicht als Homepagebetreiber, den Mut nehmen wollte. Trotzdem hat das, was ich hier als "Eva's Fazit" geschrieben habe, seine Gültigkeit. Ich war nur nicht genug "auf der Hut", als mich ein persönliches Problem dermaßen gepackt hat, so dass ich doch zu meinen Haaren gegriffe habe und (wie bei einem Alkoholiker) so hat die Geschichte ihren Lauf genommen. |
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