Pica: Krankhafte Essgelüste
aus
http://www.psychosoziale-gesundheit.net/pdf/pica_faust.pdf

 
 


Gestern (So.d.30.12.07) verfolgte ich in der Sendung Plantetopia einen Bericht über einen Hund der gerade eine Magenoperation hinter sich hatte, weil er innerhalb kurzer Zeit wahllos Plastiktüten, Papier und andere Dinge in sich hinein verschlungen hatte. Sie begründeten sein Verhalten mit einer Krankheit die sich Impulskontrollstörung nannte und eine Form der Epilepsie beim Hund sei..........

Noch nie davon gehört, aber mir nicht ganz unbekannt dieses Verhalten! Ich kenne jemanden dessen Hund, eine griechische Promenadenmischung, oft die Socken seine Herrchens frisst oder sich über Stofflappen hermacht. Die Besitzer mussten dann regelmässig zum Tierarzt eilen, denn innerhalb einer Stunde kann man dem Hund noch ein Erbrechungsmittel geben (wenn die Menge nicht zu gross war die er in sich hinein gefressen hat), alles was später ist muss der Stoff operativ herausgeholt werden. Sie mussten immer sehr genau im Überblick haben was an Socken oder Geschirrtüchern gerade im Haushalt im Umlauf war.

Warum ich Euch das erzähle, ich wurde neugierig bei dem Wort Impulskontrollstörung, Trich soll ja auch eine Impulskontrollstörung sein. Und so begann im Internet danach zu suchen. Da der Beitrag im TV wohl noch zu neu war fand ich bei Planetopia selber leider nichts im Archiv. Doch ich wurde anders fündig und habe auszugsweise aus einer Arbeit, von einen Dr.med.Dr Volker Faust, Euch etwas hier reingestellt, über den Link könnt ihr die ganze Arbeit lesen:

Pica: Krankhafte Essgelüste

Ess-Verhaltensstörung mit Lust auf Haare, Insekten, Steine, Schaumstoff u.a.

Es handelt sich bei der Pica nicht um eine quantitative, also mengenmässig auffällige Essstörung (durch ein zuviel oder zuwenig) sondern um eine qualitative Störung des Appetits bei der es um Sonderbares, Ungewöhnliches, ja sogar Ungeniessbares, widerliches oder Ekliges geht.

Der Name Pica (auch Pica-Syndrom genannt) kommt von Pica- „Krankheit der Elster“. Von der Elster, die wahllos Dinge in den Schnabel nimmt um ihr Nest zu bauen (lateinisch: Pica pica)

Es gibt keine einheitliche Erklärung für dieses Essverhalten. Mann spricht deshalb in Fachkreisen von einer so genannten Polyäthiologie (mehrschichtigen Krankheitsursache) Biologische Faktoren sind beispielsweise im Rahmen einer Hirnschädigung (z.B. Schädel-Hirn-Trauma) oder bei bestimmten biologisch erklärbaren seelischen Störungen anzunehmen. Psychosoziale oder biologisch-psychosozial gemischte Aspekte erklären sich aus Zwangsstörungen, Impulskontrollstörungen, schweren Persönlichkeitsstörungen u.a.

Eine ganz andere Erklärungsdimension ergibt sich aus den kulturellen Faktoren, die auch gesundheitliche Aspekte enthalten, so sonderbar sich das gerade bei der Pica sich anhören mag. So fand man beispielsweise, dass das Pica-Verhalten in bestimmten Regionen oftmals Ausdruck eines umschriebenen Mangelszustandes ist, z.B. einer so genannten Sideropenie (Eisenmangel).
Das gleiche gilt für andere Mineralstoffe wie Zink, Kupfer, Kalzium u.a. Eisen beispielsweise hat eine Schlüsselfunktion bei der Synthese so genannter Botenstoffe (Fachausdruck: Neurostransmitter) wie Dopamin und Noradrenalin, die auch für die Gemütszulage verantwortlich sind.

So wäre die Pica unter bestimmten Bedingungen beispielsweise als instinktives Suchen von mineralhaltigen Substanzen zu interpretieren, um sich eine ausgeglichene Stimmungslage zu verschaffen (im Tierversuch ist das sowohl in der Natur als auch experimentell zu beobachten).

Selbst die Koprophagie, also das Kot-Essen hat bei verschiedenen Tierarten lebenswichtige Funktionen im Dienste einer optimalen Nahrungsverwertung, bzw. Verdauung. Dabei kann es beispielsweise um die Rückgewinnung von Verdauungsenzymen, von Gallensäure oder Vitamin B und K gehen (Hunde, Fohlen, Ratten). Auch die bessere Ausschöpfung des Energiegehaltes einer pflanzlichen Nahrung wird dadurch verständlich (z.B. Gorillas). Sogar Entgiftungsfunktionen sind denkbar (z.B. bestimmte Lehme bei Papageien, was auch bei manchen Völkern genutzt wird). Das gleiche gilt für Naturprodukte, die uns nicht schmecken, anderen Völkern aber wichtige Mineralien bieten (Eicheln, und für uns ungeniessbare Nüsse).

Kurz das Pica hat seine absonderlichen, aber auch nachvollziehbaren Hintergründe. Man kann nicht alles als Krankhaft abtun.

Gesundheitliche Komplikationen: Lebensbedrohliche Vergiftungen, mechanische Schäden durch spitze Fremdkörper bis hin zu Verletzungen im Magen-, Darmbereich und u.a. die Bezoarbildung durch Haare, schnüre, Pflanzenfasern die den Magen und den Darm mit einem Knäuel verdichten können

Aus : http://www.psychosoziale-gesundheit.net/pdf/pica_faust.pdf

 

 

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