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Eigentlich hatte sich nur die Tourette-Gesellschaft Deutschland
e.V. (TGD) mit einem Infostand angemeldet. Da mein Freund in der
TGD als Kassenwart tätig ist, habe ich mich kurzfristig entschlossen,
ihn nach Heidelberg zu begleiten. Mit im Gepäck hatte ich einen
großen Stapel Basisbroschüren zu Zwangsstörungen, denen ich Information
zur Trichotillomanie beigelegt hatte. Alle Informationen zu Tourette,
Zwängen und Trichotillomanie fanden bei den Fachleuten reißenden
Absatz. Das lag wohl daran, das wir als einzige Organisationen mit
einem Infostand vertreten waren. In vielen Wartezimmern von Kinder-
und Jugendmediziner wird man jetzt unsere Informationen vorfinden.
Entscheidend
für die Arbeit zur Trichotillomanie waren für mich aber die Gespräche,
die ich mit den Fachleuten führten konnte. So berichtete mir Dr.
Rößner, von der Kinder- und Jugendpsychiatrie in Göttingen, dass
ihn vor kurzem eine junge "Tricho-Patientin" besucht habe, die seit
ihrem Klinikaufenthalt in Göttingen nun seit 1 ½ Jahren symptomfrei
sei. Da zeigt sich, je eher eine Therapie begonnen wird um so größer
ist die Chance, Tricho in den Griff zu bekommen. Er will sie bitten,
über ihre Erfahrungen einen Bericht zu schreiben, den wir dann veröffentlichen
werden. Frau Goletz, Psychologin der Uniklinik Köln berichtete,
dass sich auch bei ihr immer mehr Eltern von betroffenen Kindern
melden und um Rat und Hilfe bitten. Wir waren uns einig, dass zukünftig
noch mehr für Kinder mit Trichotillomanie getan werden müsse. Am
Stand der dgkjp erkundigte ich mich, ob es in Deutschland ein Forschungsprojekt
zu Trichotillomanie bei Kindern und Jugendlichen geben würde. Man
verwies mich an den Ehrenpräsidenten der Gesellschaft, Herrn Professor
Remschmidt von der Uni Marburg. Er meinte Trichotillomanie sei ein
wichtiges und interessantes Thema, dass in Deutschland noch zu wenig
beachtet würde. Man sollte versuchen, ein Netzwerk an verschiedenen
Uni's aufzubauen und ein Forschungsprojekt inizieren. Das wichtigste
Gespräch führte ich mit Frau Professor Herpertz-Dahlmann, Direktorin
der Kinder und Jugendpsychiatrie der Uniklinik Aachen und derzeitige
Präsidentin der dgkjp. Frau Professor Herpertz-Dahlmann kannte ich
bisher nur aus den Medien und darum war es mir besonders wichtig,
sie persönlich kennenzulernen. Frau Professor berichtete, dass sie
schon viele Kinder mit Trichotillomanie behandelt habe. Sie bestätigte
auch, dass man mehr für diese Betroffenen tun müßte und könnte.
Sie machte den Vorschlag, dass man am UK-Aachen und ggf. auch anderen
Einrichtungen eine Sprechstunde für Eltern und Kinder einrichten
könnte, aus der sich später ein Forschungsprojekt aufbauen ließe.
Auf meine Frage, wie wir dieses Projekt unterstützen könnten meinte
Sie, dass wir durch Spenden helfen könnten. Es wäre doch toll, wenn
wir so ein Projekt mit anschieben könnten, oder? Es sollte doch
in unser aller Interesse sein, dass ein Mensch nicht erst 30 Jahre
alt werden muss, bis er die richtige Therapie bekommt. Natürlich
muß ich jetzt erst noch weitere Gespräche mit den Professoren Döpfner
(Köln), Herpertz-Dahlmann (Aachen) und Rothenberger (Göttingen)
führen, um zu erkunden, wie eine solche Sprechstunde organsiert
werden kann und welcher Betrag aufgebracht werden müsste. Es wird
also noch etwas dauern, ich bleibe da am Ball und wenn die Sache
konkret wird, werde ich Euch zu Spenden aufrufen. Es wäre doch gelacht,
wenn wir diese Sprechstunde nicht zu Stande bringen würden. Die
spontane Reise nach Heidelberg hat sich für unsere Sache sehr gelohnt.
Als ich am Samstag die Heimreise antrat, war ich wirklich erleichtert.
Von der schweren Kiste an Infomaterial verlieben mir zum Schluß
nur zwei Visitenkarten.
Silvia, Michaela, Wolf (Vorstand der Tourette-Gesellschaft) und
ich sind uns einig, dass wir auf der nächsten Tagung der "dgkjp"
in zwei Jahren wieder dabei sein werden.
Eure
Antonia.
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