Bilder Meine Geschichte Therapien
Infostelle-TTM Betroffene erzählen Adressen Literatur
Aktuelles FAQ's

Medikamente
 
 

 

Erfahrungen und Gedanken zur Verhaltenstherapie
von Antoni Peters, Infostelle-TTM und
1.Vorsitzende der Deutschengesellschaft Zwangserkrankung

 
 
  Teil 1
Meine Geschichte & Fazit
  Methode
  Meine Therapie
Fazit
  Teil 2
Wo und wie finde ich den richtigen Therapeuten für mich?
Muss der Therapeut sich mit Trichotillomanie auskennen?
Wer zahlt die Kosten einer Therapie?
Stationäre Therapie (Klinikaufenthalt):
Medikamentöse Therapie:
Ambulante Gruppentherapie:
Warten auf einen Termin!
Wenn die Krankenkasse Probleme macht:
Wenn das Haare ausreißen sich verschlimmert:
Wie lange dauert eine Therapie?:
Keine Angst vor Rückfällen:
Gibt es Hoffnung auf Heilung:
Ein Wort an Dich und Deine Angehörigen!
Herzlichen Glückwunsch:
Download Fragebögen
 

 

Verhaltenstherapie

Hallo liebe/r Homepage-Besucher/in!

In der letzten Zeit taucht hier immer öfter die Frage auf:" Was ist Verhaltenstherapie? Was erwartet mich dort? " Ich möchte Dir kurz von meinen eigenen Erfahrungen berichten.

Teil: 1

Um es gleich vorweg zunehmen. Wahrscheinlich ,wie Du, glaubte ich jahrelang meine Macke selbst in den Griff zu bekommen. Große Hoffnung in diese Therapie hatte ich eigentlich nicht. Ich hatte bisher schon fast dreißig Jahre mit Tricho gelebt, und glaubte nicht, dass mir hier irgendein Therapeut weiterhelfen konnte. Denn ich hatte schon verschiedene Therapien, wie Verhaltenstherapie, Körpertherapie und eine psychosomatische Kur hinter mir, die letztendlich mir zwar gut taten, aber das Haare ausreißen war über all die Jahre geblieben. Ich war sehr skeptisch. Und dennoch sah ich diese Therapie als meine letzte Chance an, um vielleicht doch noch irgend etwas gegen Trich tun zu können.

Das Universitätsklinikum Hamburg Eppendorf (UKE) beschäftigt sich als erste deutsche Klinik seit 1995 in einer kleinen Studie mit Trichotillomanie. Fragebögen wurden erarbeitet und an Betroffene aus dem ganzen Bundesgebiet verschickt.
Prof. Iver Hand, einer der renommiertesten Experten für Zwangsstörungen und Verhaltenstherapie, und Frau Dipl. Psych. Dr. Annett Neudecker informierten 1997 die Öffentlichkeit über die Erkrankung und suchten Patienten, die bereit waren an der Studie teilzunehmen und sich auf zwei unterschiedliche Therapie Methoden einzulassen.
Die eine Methode war die pharmakologische Therapie mit Serotonin Wideraufnahmehemmern (SSRI), die den aus dem Gleichgewicht geratenen Serotoninstoffwechsel wieder regulieren sollten und die bei anderen Zwangsstörungen schon gute Erfolge gezeigt hatten.
Die andere Methode war die Verhaltenstherapie ! Die Verhaltenstherapie beachtet u a. sehr das Hier und Jetzt des Patienten, mit Methoden der Reaktionsverminderung und Selbstwahrnehmung. Ich entschied mich erst für die medikamentöse Therapie. Zwar traten zu Beginn der Therapie, einige Nebenwirkungen auf, wie Schlafstörungen, Haut jucken und Gewichtszuname, die aber nach 1-2 Wochen zurückgingen. Die Wirkung auf das Haare ausreißen war für mich überwältigend. Der Drang danach hörte ganz auf. Nach zwei Jahren Tabletteneinnahme glaubte ich, es auch ohne Tabletten zu schaffen.
Aber das Symptom kam leider sofort wieder zurück. Nach eingehenden Gesprächen mit Frau Neudecker, entschied ich mich eine Verhaltenstherapie zu machen. Für Trichotillomanie hatte man die multimodale Verhaltenstherapie gewählt, weil sie mehre Bereiche, wie Wahrnehmungstraining, aufarbeiten der Familiensituation, Konfliktbearbeitung in Berufs und Privatleben, Entspannungstechniken und die Technik " die Umkehr einer Angewohnheit ", das sogenannte Habit reversal.

Im Juli 2000 begann ich mit der Verhaltenstherapie in der VT-Ambulanz der Uniklinik. Zu Beginn trafen meine Therapeutin und ich uns 1 mal die Woche für 50 Minuten. Nach ca. einem halben Jahr wurden die Abstände zwischen den Sitzungen größer. Wir trafen uns 14 tägig, später je nach Bedarf. Nach einem Jahr beendete ich die Therapie nach ca. 50 Stunden, weil ich die Ziele die ich mir gesteckt hatte, erreicht hatte. Nach 2, 6 und 12 Monaten gab es noch mal einen Nachsorgetermin. Hier besprachen wir, ob ich mit dem Erlernten immer noch gut zurecht kam und wie es mir, beziehungsweise meinem "Symptom" ging. Während der Therapie wurde auch mein Freund (ohne mich) zu einem Angehörigengespräch eingeladen.

Wie sah nun meine Therapie aus: Der erste Block meiner ambulanten VT. bestand aus Selbstbeobachtungs- und Aufmerksamkeitstraining- In einem Beobachtungsbogen trug ich ein, wann ich reiße, wie oft, wie ich mich dabei fühle, und was ich statt dessen hätte tun können. Zusätzlich trug ich meine Beobachtungen in ein kleines Notizbuch ein, und besprach sie in der nächsten Sitzung mit meiner Therapeutin. Danach war das Anschauen und Wahrnehmen meiner Gefühle der Schwerpunkt. Welche traute ich mich zu zeigen, welche nicht. Darüber kamen wir im Gespräch auf meine Kindheit, wie hatte ich meine Familie erlebt, wie ging die Familie und ich als Kind mit Gefühlen um, usw. Erst nach dieser Aufarbeitung wurde ich gebeten, zu überlegen, was mich heute immer zum reißen brachte und, was ich deshalb an meiner Lebenssituation ändern wollte und sollte.

Drei Bereiche waren mir wichtig:
1. Meine Gefühle wieder wahrnehmen lernen!
2. Meine hohen Erwartungen an mich und an Andere auf ein normal Maß reduzieren.
3. Meine Symptomatik auf 50% reduzieren.

Die Methode:
Bei alltäglichen Dingen sollte ich auf meine Gefühle und Bedürfnisse achten und ,wenn nötig, sie auch versuchen auszuleben. Zum Beispiel bei Auseinandersetzungen auf meine Gefühle zu achten, sie anzusprechen, und nicht wie bisher, zurückzuhalten, aus Angst mein Gegenüber zu verunsichern oder zu verletzten. Es ging aber auch darum, Aufgaben zu erledigen, die mir extrem unangenehm waren, ( z.B. Hausarbeit) sofort zu erledigen und nicht länger aufzuschieben. Dabei spürte ich Unbehagen und Unlust. Aber ich lernte auch, dass die Anspannung gar nicht erst groß wurde, sobald ich an die unangenehme Sache ran ging. Und wie war das mit den Erwartungen? Hier entwickelte ich eine mir vertraute Methode, die mir schon bei meiner Tätigkeit als Kindergartenleiterin sehr geholfen hatte.
Jeden Abend schrieb ich auf ein DinA5 Block zwei Aufgaben , die ich am nächsten Vormittag erledigen wollte. Beispiel:
Montag: Abwaschen, Brief an Robert schreiben, Wäsche sortieren Beim Frühstück wusste ich also schon, wie es gleich weitergehen würde, sonst hatte ich immer dann gerissen, weil ich nicht wusste, womit ich anfangen sollte. Immer wenn ich eine Aufgabe erledigt hatte, harkte ich mit einem dicken roten Stift diese auf meinem Block ab.
So gegen Mittag war alles erledigt und ich ging zu meinem Mittagstisch außer Haus. Danach gab es die nächste Übung , die mir meine Therapeutin empfahl. Ich sollte mich ruhig, auf mein Sofa setzen, oder legen (Radio ausstellen, Telefon klingeln lassen) ruhig durchatmen , Gedanken kommen und gehen lassen und dabei nicht Reißen!
Also ich sollte mich bewußt wahrnehmen und entspannen ! Diese Entspannung sollte ich erst mal 5 Minuten durchhalten und später steigern. Danach durfte und sollte ich mich mit schönen Tätigkeiten (lesen, Musik hören, Freunde treffen ) belohnen. Denn schließlich hatte ich ja am Vormittag einiges geleistet.
Bevor ich abends ins Bett ging sollte ich dann noch kurz inne halten und auf meinem Block notieren, wie zufrieden ich mit mir heute war. Ich habe das ZUFRIEDENSHEITSFAKTOR (ZHF) genannt. Die Skala lag zwischen 0-8 ZHF. Null bedeutete ganz unzufrieden und acht sehr zufrieden.
Ein dreiviertel Jahr arbeitete ich nach dieser Methode . Ich wurde immer STOLZER auf mich, weil ich auch unangenehme Dinge erledigen konnte, ohne mir statt dessen die Haare auszureißen. Mein ZHF lag immer zwischen 5-7. Mit der Methode, nur zwei Dinge am Vormittag zu erledigen, kam ich immer besser zurecht. Dadurch schraubte ich die Erwartungen an mich zurück, war zufriedener mit mir und das Haare ausreißen reduzierte sich von ganz allein.

An meiner Schilderung der Therapie hast Du wahrscheinlich festgestellt, dass es bei mir nicht vordergründig um das Symptom ging. Vielmehr spielten meine heutige Auslöser eine wichtigere Rolle. In welchen Situationen reiße ich und warum? Das UKE nennt diese Methode" am Symptom vorbei". Was muss ich an meinen Verhalten aber auch an meiner Einstellung ändern, um nicht mehr in das alte Verhaltensmuster, Haare ausreißen, zurückzufallen.
Wichtig ist jedoch, das ich nicht erwarten darf, dass ich nach Beendigung der Therapie geheilt bin und mich von nun an nicht mehr mit mir auseinander setzten muss. Das Handwerkszeug , aus der Therapie, sollte ich stets griffbereit halten, und bei Bedarf wieder benutzen. Das heißt sich jeden Tag neu zu entscheiden, gut auf mich zu achten und meine Haare möglichst in Ruhe zu lassen.
Es gibt Zeiten, da fällt es mir schwerer mit Tricho klarzukommen, aber dann hole ich halt den Block oder das Notizbuch aus der Ecke und frage mich: "Was ist los? Was brauche ich jetzt für mich, damit es mir besser geht." Das Aufschreiben hilft mir, meine Gedanken bewusst werden zu lassen und dann nach Lösungen zu suchen.

Bis heute kann ich diesen Zustand halten. Es ist sogar eine 80% Besserung, statt der erwartete um 50%, eingetreten.
Zwar brauche ich heute den Block und den Rotstift immer seltener, aber ich versuche täglich mich an meine Methode zu halten. Wenn ich nachlässig werden sollte, weiß ich welches "Handwerkszeug ich aus meinem Koffer" holen muss. Ich habe gelernt, nein zu sagen, meine Bedürfnisse wahrzunehmen , Gefühle zu zulassen und mich nicht mehr zu verurteilen, wenn doch noch mal das eine oder andere Härchen dran glauben muss.
Mit diesem Ergebnis bin ich sehr zufrieden und lebe heute gut auch mit Tricho! Früher beherrschte mich Tricho! Heute beherrsche ich Tricho!

Fazit: Je eher Du Dich in eine Therapie begibst, um so eher kannst Du erfahren, wie schön und sinnvoll das Leben wieder sein kann. Eine Verhaltenstherapie kann Dir verschiedene Wege aufzeigen wie Du heute besser mit Dir und Deinem Leben zurechtkommen kannst, so dass Tricho immer mehr in den Hintergrund rutscht und vielleicht irgendwann ganz verschwindet. Aber auch wenn es mal wieder kleine Rückfälle/Ausrutscher in Deinem Leben geben kann, wirst Du in der Therapie auch lernen, wie Du in Zukunft damit umgehen kannst. Auch bei mir kommt das immer mal wieder vor, aber daran erkenne ich, dass ich mich überfordert habe oder nicht behutsam genug mit mir umgegangen bin. Ich habe mir angewöhnt, nur noch den heutigen Tag zu genießen und zu versuchen heute dem Reißen keine Chance zu geben. Wie es morgen sein wird, kann ich morgen entscheiden und erleben! Sollte allerdings bei Dir so viel im Verborgenen liegen, was Du nicht mehr erinnern kannst, z.B. ein traumatisches Erlebnis, dass vielleicht zu Deiner Erkrankung geführt hat, dann solltest Du eventuell mit einer Tiefenpsychologisch fundierten Psychotherapie beginnen.
Wie auch immer Du Dich entscheidest, es wird Dir und Deiner Lebenssituation gut tun. Es ist nicht verwerflich sich Hilfe und Unterstützung zu suchen. Bei alle dem wünsche ich Dir viel Erfolg, Kraft und Zuversicht.

Deine Antonia Hamburg im Februar 2007

Teil 2

Das wichtigste gleich zu Beginn: Du allein entscheidest, ob Du so mit Trich weiterleben kannst oder willst. Es gibt viele Betroffene, die keine Therapie brauchen, weil sie mit ihrer Erkrankung gut leben können und keine Veränderung ihres Verhaltens wünschen.
Wenn Du aber für Dich beschließt:" Jetzt ist Schluss! Ich möchte etwas verändern und hole mir Hilfe," dann möchte ich Dir jetzt Wege aufzeigen, die Dir helfen können, eine Therapie zu beginnen.

Wie finde ich den richtigen Therapeuten
Wo und wie finde ich den richtigen Therapeuten für mich?
  • Hier auf der Homepage von Eva (www.Trichotillomanie.de) findest Du unter Therapeuten und Kliniken Experten, die schon Trichotillomanie -Patienten behandelt haben.
  • Die Infostelle Trichotillomanie ( Tel: 040 200 61 39 Mail: TrichoHH@t-online.de ) kann Dir weitere Verhaltenstherapeuten aus der aktuellen Therapeutenliste der Deutschen Gesellschaft Zwangserkrankungen nennen, die sich mit Zwangsstörungen auskennen. Diese Adressen kann ich nur telefonisch weitergegeben!
  • Deine Krankenkasse schickt Dir auf Anfrage gerne eine Liste mit niedergelassenen Verhaltenstherapeuten aus Deiner Region zu. *Im örtlichen Telefonbuch findest Du weitere Adressen von Therapeuten

Muss der Therapeut sich mit Trichotillomanie auskennen?

Nein! Er sollte sich aber mit Zwangsstörungen auskennen und entweder Verhaltenstherapeut oder tiefen psychologischer Psychotherapeut sein, je nach dem für welche Therapieform Du Dich entscheidest. Gemeinsam mit Dir sollte der Therapeut Dir helfen, Deine Auslöser für Tricho zu erkennen und dann zu lernen, in diesen Situationen anders als bisher, (durch Haare ausreißen) damit umzugehen. *Es ist auf jeden Fall ratsam, dass Du den Therapeuten auf die Homepage hinweist, oder ihm das Infomaterial, was Dir die Infostelle zuschicken kann, mitbringst und zeigst.


Wer zahlt die Kosten einer Therapie?
  • Verhaltenstherapie, tiefen psychologisch fundierte Psychotherapie und Gesprächstherapie und stationäre Therapie werden zur Zeit noch von den Krankenkassen bezahlt. Bei Trichotillomanie hat es sich gezeigt, dass die Verhaltenstherapie die wirksamsten Methoden aufweist, um die Krankheit in den Griff zu bekommen.
  • Wenn der Therapeut eine Kassenzulassung hat, übernimmt in der Regel die gesetzliche Krankenkasse die Kosten für Deine Therapie.
  • Solltest Du allerdings vor Ablauf von 3 Jahren nach der letzten Therapie, eine neue Therapie beginnen, kann es sein, dass die Kasse die Kosten noch nicht übernimmt. Bitte erkundige Dich bei Deiner Krankenkasse nach den geltenden Bedingungen.
  • Seit dem ersten Januar 04 muss Du bei Deinem Therapeuten 10 € pro Quartal selbst zahlen.

Stationäre Therapie (Klinikaufenthalt):
  • Wenn an Deinem Wohnort, oder in unmittelbarer Nähe sich kein Verhaltenstherapeut befindet, der dich behandeln kann, ist es möglich sich in einer Psychosomatischen Klinik behandeln zu lassen. Entsprechende Kliniken findest Du hier unter Therapeuten und Kliniken auf dieser Seite.
  • Es kann auch sein, dass außer Trichotillomanie noch weitere Erkrankungen wie schwere Depressionen, Zwänge, Essstörungen, soziale Ängste und ähnliches bei Dir vorliegen. In diesem Fall ist es ratsam, in eine Klinik zu gehen, um in Ruhe und Gelassenheit Schritt für Schritt diese Probleme anzuschauen und zu verändern. In einer Klinik kümmert man sich nicht nur um Deine Psyche, sondern mit der Sport, Körper, Ergo, Kunst und Gestaltungstherapie lernst Du weitere Methoden kennen, die Dir helfen können Tricho zu überwinden.
  • Infomaterial schicken Dir die Kliniken gerne auf Anfrage zu!
  • Ein stationärer Aufenthalt dauert in der Regel zwischen 8 Wochen und drei Monaten. Bevor Du die Therapie in einer Klinik beginnst, wirst Du zu einem Vorgespräch in die Klinik eingeladen. So hast Du dann auch die Möglichkeit, Dir alles anzuschauen und wichtige Fragen mit den Mitarbeitern zu klären.
  • Ganz wichtig ist es, dass Du nach dem stationären Aufenthalt am Wohnort ambulant bei einem Verhaltenstherapeut weiter behandelt wirst. Denn in einer Klinik bist Du in einem geschützten Raum, hast jederzeit die Möglichkeit, Dich mit Anderen zu treffen und auszutauschen. Zu Hause kommst Du wieder in Deinen Alltag zurück, der es Dir häufig schwer macht, die gelernten neuen Strategien und Verhaltensweisen aus der Klinik umzusetzen und an zu wenden. Also bei den ersten Schritten Zuhause, kann Dich ein Therapeut dabei unterstützen. Und da die Wartezeiten bei Therapeuten sehr lang sein können, ist es ratsam, schon vor Beginn des Klinikaufenthaltes, Dir einen Therapeuten zu suchen!

Medikamentöse Therapie:

Zur Unterstützung und Erleichterung der Therapie werden auch Medikamente eingesetzt. Diese Medikamente sind verschreibungspflichtig und sind sogenannte selektive Serontonin Wideraufnahmehemmer (SSRI). Sie beeinflussen den Gehirnstoffwechsel, insbesondere den Botenstoff Serotonin. Diese Medikamente können Dir helfen gestärkter und bewußter die Verhaltenstherapie durchzustehen. Das Medikament ist verschreibungspflichtig wird auch verordnet, wenn außer Trichotillomanie noch weitere Störungen, wie Depressionen, Ängste oder weitere Zwänge bei Dir vorliegen. Bitte frage Deinen Hausarzt, Neurologen oder Psychotherapeuten genau nach der Wirkungsweise, und die Dauer der Einname. Wenn bei Dir die obengenannten Störungen nicht vorliegen, kannst Du die Therapie auch ganz ohne Medikamente machen.


Ambulante Gruppentherapie:

Im Universitätsklinikum Hamburg Eppendorf (UKE) wird von Zeit zu Zeit eine Gruppentherapie für Trichotillomanie angeboten. Die Treffen finden an sechs Malen für 2 Stunden statt und dienen dazu, sich einmal über die Erkrankung zu informieren, aber auch Bewältigungsstrategien kennen zu lernen um mit Tricho besser umgehen zu können (habit reversal nach Bear). Die Gruppengröße hängt von der Nachfrage der Betroffen ab. Meistens besteht die Gruppe aus 6-10 Teilnehmern. Sie wird von zwei Psychologinnen geleitet. Die Kosten hierfür, übernimmt ebenfalls die Krankenkasse. Ob es so ein Angebot auch an anderen Universitätskliniken und Klinken gibt, weiß ich nicht. Wenn eine Klinik aber über eine Verhaltenstherapieambulanz verfügt, solltest Du Dich dort direkt zu erkundigen!


Warten auf einen Termin!
  • Bis Du einen Termin bei einem niedergelassenen Therapeuten oder einen Termin in einer Klinik bekommst, können schon mal ein paar Wochen vergehen! Das liegt u. a. auch daran, dass es immer noch zu wenige Verhaltenstherapeuten für Zwangsstörungen gibt, aber der Bedarf bei den Patienten stetig steigt.
  • Es kann 6 Wochen, oder auch 2 Monate dauern, bis Du zu einem Erstgespräch zu einem Therapeuten eingeladen wirst. Ich weiß dass diese Situation für Dich ganz schwierig auszuhalten ist, weil Du jetzt am liebsten sofort mit einer Therapie beginnen möchtest.
  • Du hast immer noch die Möglichkeit, noch Termine bei weiteren Therapeuten zu machen, und gehst dann zu dem, der Dir den schnellst möglichen Termin anbieten kann. Wichtig bei dem ersten Gespräch ist jedoch, dass Dir der Therapeut sympathisch ist und Du Dich verstanden und gut aufgehoben fühlst. Der Therapeut seinerseits wird auch bei sich überprüfen, ob er mit "Dir kann" ob Du ihm sympathisch bist und er sich vorstellen kann mit Dir zu arbeiten. Sollte das Erstgespräch zeigen, dass Du oder der Therapeut nicht miteinander zurecht kommt, sei nicht allzu enttäuscht darüber. Es ist besser, beide Seiten gehen ehrlich und vertrauensvoll mit einander um, als wenn Du voller Hoffnung und Zuversicht eine Therapie beginnst, und nach mehreren Wochen und Monaten spürst, dass die Therapie dich nicht weiterbringt.

Wenn die Krankenkasse Probleme macht:

Die Krankenkassen haben in der Regel noch wenig bisnie etwas von Trichotillomanie gehört. Daher rate ich Dir Deine Kasse mit dem Infomaterial und diese Homepage aufzuklären und über Trichotillomanie zu informieren. Die Kassen sind leider angehalten, die kosten günstigste Lösung für Deine Therapie zu finden. Das kann z. B. bedeuten, dass sie eine stationäre Therapie in einer der "speziellen Kliniken, die auch Tricho behandeln, ablehnt. Denn in Deiner Umgebung gibt es ebenfalls eine Klinik, die näher dran ist und somit Kosten eingespart werden. Oder die Kasse glaubt, dass eine ambulante Therapie ausreichend sein kann. Dann musst Du mit Hilfe Deines Hausarztes, Neurologen oder Therapeuten, der Kasse klar machen, dass es derzeit nur diese Kliniken oder Therapeuten gibt, die sich mit Tricho auskennen. Was nützt es Dir, wenn Du eine Behandlung/Therapie machst, die Dich nicht weiterbringt. Das kann bedeuten, dass Du in drei vier Jahren erneut eine Therapie beginnen musst, die dann noch kostenintensiver ist als jetzt. Deine Krankenkasse muss begreifen, welche Therapie und Behandlung bei Trichotillomanie am erfolgreichsten ist. Also hohl Dir Unterstützung bei Deinem Arzt. Er wird wissen, welchen Weg Du einschlagen musst, um die richtige Therapie zu bekommen.


Wenn das Haare ausreißen sich verschlimmert:

Das Haare ausreißen war für jeden von uns, eine Methode mit negativen Gefühlen, Überforderung, oder Einsamkeit Jahrelang umzugehen. In der Therapie wirst Du nun ermutigt, Dir diese Gefühle und Situationen anzuschauen, zu durchleben und aus und anzusprechen. Das macht Angst und verunsichert. Das kann dann gerade am Beginn der Therapie dazu führen, dass sich Dein Haare ausreißen verschlimmert. Wenn dies auftritt, solltest Du unbedingt mit dem Therapeuten darüber sprechen. Gemeinsam könnt ihr daran arbeiten, warum dieses Verhalten jetzt auftritt und was jetzt für Dich zu tun ist. Im Laufe der Therapie wirst Du aber erleben, dass sich das Haare ausreißen verändert und Du es nicht mehr so häufig brauchst, um Dein Leben mit allen Höhen und Tiefen leben zu können.


Wie lange dauert eine Therapie?:

Eine ambulante Therapie dauert in der Regel 30-50 Stunden. Dafür musst Du ca. 1- 1 ½ Jahr einmal oder zweimal pro Woche zur Therapie gehen. Eine Therapiestunde dauert 50 Minuten.
Eine stationäre Therapie kann zwischen 6 und 12 Wochen dauern. Diese Therapiedauer wird auch meistens von den Krankenkassen bezahlt. Wie lange Deine Therapie dauert, hängt auch ganz von Deiner persönlichen Situation ab.
Bei Bedarf wird Dein Therapeut durch ein Gutachten Verlängerung beantragen. Bitte sprich immer zuerst Deinen Therapeuten darauf an, der wird Dir dann das weitere Vorgehen erläutern!

Nach der Therapie heißt es: üben, üben, üben!

Wenn Deine Therapie nun beendet ist, kannst Du Dich nicht auf die "faule Haut" legen und glauben, dass Tricho nun gegangen ist und kein Thema für Dich sein wird. Gerade in Deinem Alltag wird sich zeigen, wie gut Du das Gelernte integrieren kannst.
Situationen, Auslöser, die Dich immer wieder zum Reißen veranlasst haben, wird es immer wieder geben. Du weißt sie nur jetzt anderes einzuschätzen und kannst Dein Handeln danach ausrichten.
Du kannst für Dich immer wieder neu entscheiden:" Ist dieser Ärger mit meinem Chef oder Partner es wert, dass ich mir die Haare aus reißen muss? Ist es nicht sinnvoller, ihm oder ihr diesen Ärger mitzuteilen?" Du Lernst dadurch, Dich von dem Haare ausreißen zu distanzieren und immer mehr zu Deinen Gefühlen und Bedürfnissen zu stehen.
Je öfter Du Dein neues Verhalten übst und dass Haare ausreißen lässt, um so stärker und sicherer wirst Du und die Symptomatik geht deutlich zurück. Aber es braucht alles seine Zeit! Gib Dir genug Zeit zum üben und erproben! Dein neues Verhalten muss Dir in Fleisch und Blut übergehen, wie das Zähne putzen! Bis Du richtig schreiben und lesen konntest, hat es auch seine Zeit gebraucht. Und immer wieder musstest Du üben, üben, üben! Erinnerst Du Dich noch daran? Aus eigner Erfahrung kann ich Dir sagen, dass es mir hilft, wenn ich von Zeit immer noch mal in meinem Therapietagebuch nachlese und die dort beschrieben Strategien täglich in meinen Tagesablauf einbaue:
Ich nehme mir nicht mehr als zwei Vorhaben für den Tag vor! Ich sorge hinterher für ausreichende Entspannung und Ruhe! Ich belohne mich später mit "netten" Sachen für mein Durchhalten und Tun! Vielleicht hilft es Dir auch am Ende des Tages, kurz aufzuschreiben, wie es für Dich war, und was Du alles schon geschafft hast! Dadurch wird Dir Dein Leben, Dein Alltag bewusster.
Vielleicht hast Du aber auch noch andere Ideen, um auf Dich zu achten. Nimm Dir Zeit, und lass Deine Gedanken fließen und kommen! Ich wünsche Dir viel Kraft, Ausdauer und Freude um Deinen eigenen Weg zu Dir und Deinem Leben zu finden!


Keine Angst vor Rückfällen:

Kein Mensch ist perfekt. Das wäre furchtbar und langweilig. Auch mir passiert es heute immer mal wieder, dass ich das eine oder andere Haar ausreiße. Dann weiß ich, dass ich nicht gut auf mich aufgepasst habe und sorgsamer mit mir umgehen muss.
In solchen Situationen ärgere ich mich zwar über mich, frage mich aber, was denn los war!
Das heißt, ich schärfe mein Bewusstsein für mich und die Situation. Ich habe aber festgestellt, dass die heutigen "Ausrutscher" lange nicht so schlimm und ausufernd sind, wie noch vor der Therapie.
Mir hilft es auch, mich jeden Tag und nur für diesen Tag, zu entscheiden, ob ich heute reißen will oder nicht. Wochenlange Vorhaben, wie:" Ich will jetzt die nächsten 3 Wochen nicht reißen", überfordern mich nur.
Ein Ausrutscher kann Dir deutlich machen, woran Du noch verstärkt arbeiten musst und Dich außerdem anspornen es weiter zu versuchen und besser auf Dich zu achten.
Wenn Du eine reiß freie Zeit hattest, und seien es auch nur zwei Tage, freue Dich darüber und sei stolz auf Dich! Du kannst es immer wieder von neuem schaffen.
Es kann auch hilfreich sein, mit Anderen darüber zusprechen. In einem Gespräch klärt sich vieles, es ist entlastend und wohltuend. Vielleicht hast Du einen guten Freund/in, Familienangehörige mit den Du sprechen kannst. Du kannst aber auch eine Tricho - Selbsthilfegruppe besuchen, Dich im Internet/Forum austauschen oder kannst mich auch anrufen. Ich höre Dir gerne zu. Wir können gemeinsam überlegen, was Du jetzt tun kannst.


Gibt es Hoffnung auf Heilung:

Das Wort Heilung ist ein dehnbarer Begriff. Für den Einen bedeutet Heilung schon, wenn das Symptom deutlich zurückgegangen ist, für den Anderen bedeutet Heilung, dass er ganz vom Haare ausreißen loskommt.
Klar ist auf jeden Fall, je kürzer ich von Trichotillomanie betroffen bin und je eher ich mit einer Therapie beginne, desto höher sind die Chancen auf Besserung oder gar auf Heilung.
Ein leitender Psychologe einer Klinik erklärte mir das Wort Heilung einmal so: "Wenn ich mir das Bein breche, werde ich chirurgisch und orthopädisch versorgt und kann danach wieder laufen. Ich bin wieder gesund. Wenn ich mir fünf Jahre später erneut das Bein breche, wird man mich wieder behandeln und versorgen. Das bedeutet also nicht, dass ich jetzt mein Leben lang krank bin!" Das heißt für mich, wenn ich zwischen zwei Reißphasen nicht reiße, bin ich für diesen Moment geheilt und gesund. Sollte es dann wieder zu Ausrutschern kommen, kann ich mir entweder selbst helfen, oder mir Hilfe durch einen Fachmann holen.
Ich selbst habe erfahren, dass es auch nach über dreißigjähriger Reißkarrie durch eine Therapie eine deutliche Besserung um 80% und sehr viel mehr und längere reiß freie Phasen gibt.
Persönlich glaube ich, dass wir zukünftig immer sehr sorgsam und aufmerksam mit uns umgehen müssen, um möglichst lange Gesund zu bleiben.



Ein Wort an Dich und Deine Angehörigen!

Vielleicht lebst Du noch bei Deinen Eltern, oder in einer Partnerschaft mit oder ohne Kinder.
Wenn Du Deinem Angehörigen/Partner bisher verschwiegen hast, dass Du an Trichotillomanie leidest, überlege Dir, wann und wie Du mit ihm darüber sprechen möchtest. Dein Partner hat bestimmt schon an Deinem Verhalten gespürt, dass Dich etwas bedrückt. Vielleicht hast Du Dich im Laufe der Zeit immer mehr zurück gezogen, bist stiller geworden und lässt körperliche Nähe nicht mehr, oder nur noch selten, zu.
Dein Partner versteht nicht warum, fühlt sich verletzt und abgelehnt. Und er macht sich Sorgen um Dich, um Eure Beziehung und Euer Zusammenleben. Wenn Du nicht weißt, wie Du ein Gespräch beginnen solltest, schau Dir zusammen mit Deinem Angehörigen/Partner das Infomaterial oder diese Homepage an. Deine Eltern, oder Dein Partner wird genauso wie Du erleichtert sein, wenn er endlich weiß was mit Dir los ist, und warum er Dich häufig nicht verstehen konnte. Nehmt Euch ausgiebig Zeit, Euch zum einen umfassend zu Trichotillomanie zu informieren, und über Deine Gefühle, Gedanken und Symptome zu sprechen. Meistens wird Dein Partner bemüht sein, Dir so schnell wie möglich Hilfe und Unterstützung zukommen zu lassen. Aber hierbei gilt: Solange Du nicht selbst bereit bist, etwas zu verändern und fachliche Hilfe anzunehmen, solange kann Dich auch niemand dazu zwingen. Du alleine entscheidest, wann für Dich der richtige Zweitpunkt ist.
Vielleicht ist es auch Dein Partner oder Deine Eltern gewesen, die auf diese Seite gestoßen sind, einen Bericht im Fernsehen gesehen haben, oder die Infostelle um Material gebeten haben, dann sei dankbar für ihre Unterstützung und Iniative. Sie Alle wollen nur das Beste für Dich und Dein weiteres Leben.
Wenn Dein Partner, oder Deine Eltern aber nicht weiterkommen, oder die Belastung zu groß wird, können sie sich jeder Zeit an eine Beratungsstelle oder Psychologen wenden, der ihnen Wege aufzeigt, wie man sich Dir gegenüber verhalten soll oder helfen kann.
Auch wenn Du in Therapie bist, ist es ratsam, wenn Dein Partner/Eltern um ein Gespräch bei Deinem Therapeuten bittet. Hier wird nicht über Dich geredet, sondern dein Partner erfährt, wie er Dich in der Therapie unterstützen kann. Denn auch er wird vielen Situationen hilflos gegenüber stehen, wenn Du Vergangenes aufarbeitest, oder ein neues Verhalten übst und lernst, wird auch automatisch eure Beziehung davon betroffen sein. Und dein Partner will und muss verstehen, was da mit Dir passiert.
Sei glücklich und dankbar, dass Du Menschen um Dich hast, die zu Dir halten und Dir beistehen wollen. Dieses Glück hat leider nicht jeder. Ich wünsche Dir und Deinen Angehörigen, viel Kraft, Gelassenheit, Vertrauen und viel Liebe um diese Zeit gemeinsam durchzustehen!



Herzlichen Glückwunsch:

Jetzt hast Du bis hier hin alles erfahren, was mir zu Trichotillomanie und deren Therapie einfällt.
Wenn Du darüber hinaus noch Fragen hast, oder mir auch von Deinen Erfahrungen erzählen möchtest, bin ich gern als Gesprächspartner für Dich da. Auch freue ich mich sehr darüber, wenn Du erzählst, wenn Tricho deutlich besser geworden, oder gar eine Heilung eingetreten ist. So erfahre ich dann auch, welche Therapie und welcher Therapeut Dir geholfen hat. Diese Erfahrungen und Adressen können dann wieder anderen Betroffenen weiterhelfen.

Dein Therapeut kann auch einen Fragebogen ausfüllen, wenn Du ihn empfehlen kannst und er bereit ist noch weitere Patienten mit Trichotillomanie zu behandeln.

Einen Fragebogen kannst Du bei mir anfordern, oder Dir von dieser Homepage downloaden. Ruf mich einfach mal an.
Meine Telefonnummer lautet: 040 200 61 39.
Am besten erreichst Du mich in der Zeit von:
Mo. -Mi. 10-12 Uhr und Mo. Abends 18-22 Uhr.

Ich danke Dir für Deine Aufmerksamkeit und wünsche Dir für die Zukunft ein tolles und schönes Leben, in dem Tricho keinen Platz mehr hat. Pass gut auf Dich auf!

Deine Antonia Peters, Hamburg Februar 2007



Download Fragebögen:
Fragebogen für Therapeuten hier Download
Fragebogen der Infostelle-TTM hier Download

 

   
 

Home