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Was ist eine Selbsthilfegruppe (SHG)?

 
 

Warum SHG

Betroffene forschen gemeinsam nach Informationen (aufgrund ihrer Erkrankung) , z.B. nach Behandlungsmöglichkeiten, fragen bei der Forschung an, sammeln Hintergründe und Zusammenhänge. Aber ebenso auf einer persönlichen Ebene: Wie bewältigen es andere, wie werden sie mit ihrem Schicksal fertig? Z.B...."ganz wichtig und hilfreich ist für mich unsere Selbsthilfegruppe. Sehr oft hat sie mir schon über schwierige Phasen und Stimmungen hinweg geholfen."

Selbsthilfegruppen sind eine gute Möglichkeit zum Erlernen neuer Bewältigungsstrategien, Tipps und Tricks für den Alltag. Sie helfen aus der Isolaton und bieten den Rahmen, über die eigene Betroffenheit hinaus aktiv zu werden: z.B. im Sinne von Interessenvertretung gegenüber Fachleuten und Behörden, sie klären die Öffentlichkeit über Probleme und Selbsthilfemöglichkeiten auf und geben Anregungen, und initiieren z.B.Forschungen.

Da Betroffene oft aus früheren Betätigungsfeldern ausgeschlossen sind , z.B. Berufstätigkeit, Sport, Reisen, etc. Leiden sie dann unter einem Gefühl, nicht mehr gebraucht zu werden. Zu wissen, dass man sich für eine Selbsthilfegruppe nicht nur trotz, sondern gerade wegen eines Leidens qualifizieren kann, ist besonders wichtig und bedeutet oft den ersten Reintegrationsschritt nach einer Phase der Isolation.

Was wollen wir erreichen?

  • Sich mit gleichen, die von einer chronischen Erkrankung betroffen sind, zu unterhalten und Erfahrungen auszutauschen
  • Meinungen und Hilfe von Experten zu erfahren
  • In der Gesellschaft ein Problembewusstsein zu schaffen
  • Bei Politikern und Kostenträgern Handlungsbereitschaft, zur Linderung und des Ertragens von erlittenen chronischen Erkrankungen, zu schaffen.

Erste Kontaktaufnahme

Inserate in Zeitschriften aufgeben, Handzettel bei Ärtzen, Apothekern und Beratungsstellen verteilen, Orginanisationen wie Selbsthilfezentren oder Infostellen, die bereit sind Adressen von Interessierten anzunehmen und weiterzuleiten, kontaktieren und einbeziehen.

Es besteht die Möglichkeit an Kirchen oder gesetzliche Krankenkassen heranzutreten. Krankenkassen sind aus gesundheitsrechtlichen Gründen angehalten Selbsthilfegruppen zu unterstützen und deren Gründung zu fördern. Diese Organisationen können evtl. auch Räume und/oder finanzielle Mittel zur Verfügung stellen.

Wann, Wo, Wie oft?

Hat man schliesslich Betroffene gefunden, dann drängt sich die Frage auf in welchen Abständen man sich treffen will. Hier bietet sich ein regelmäßiger Wochentag und eine regelmäßige Uhrzeit im Abstand von 1 bis 4 Wochen an. Der Ort des Teffens sollte ein neutraler Ort sein. Kneipen sind zulaut und man ist vor ungewollten Zuhörern nicht gefeit. Und, das Treffen, bei einem Betroffenem zu veranstalten, empfielt sich nicht, da die Probleme der Betroffenen in einer "nüchternen Athmosphäre" intensiver besprochen werden können.

Ablauf der Treffen

Wird die SHG nicht durch dritte Personen geleitet, kann man eine soganannte rotierende Leitung schaffen, d.h. die Gesprächsleitung wechselt von Treffen zu Treffen. Das Treffen sollte durch eine Vorstellungsrunde (bei neu hizugekommenen Betroffenen) und ein "Blitzlicht" eröffnet werden. Das bedeutet, dass jeder sich kurz vorstellt und sagt, wie es ihm zum jetzigen Zeitpunkt geht und ob er/sie für dieses Treffen etwas auf dem Herzen hat, was er/sie gerne besprochen hätte, sofern es den Rahmen des Treffen nicht sprengt.

Als Struktur sehr gut bewährt

  • haben sich vorbereitete Themen, die zusammen besprochen werden.
  • Bewährt hat sich auch, dass jemand ein Protokoll führt, welches dann z.B. als eMail an alle Mitglieder verschickt wird. So wurde jeder der nicht Anwesend sein konnte mit einbezogen und informiert, und für alle anderen war dies nochmal die Gelegeheit das letzte Treffen zu reflektieren.
  • Gegen Ende, wird das Thema für das nächste Treffen festgelegt. Und, es wird jemand bestimmt der etwas Material für das nächste Treffen vorbereitet (muss aber nicht sein). Zumindest , sollten sich alle Gedanken zum nächsten Thema machen.

Ist eine Gruppe sehr "frisch" zusammengekommen empfiehlt es sich das erste viertel Jahr, erst mal nur, über die eigenen Lebensgeschichten, die jeder Betroffenen mit sich bringt, gegenseitig auszutauschen und, zu sehen worin und ob Paralellen zum anderen Betroffenen bestehen, z.B.Gemeinsamkeiten unter den Familien.

Bei den Treffen können Themen wie:

  • Strategien gegen ein Problem
  • Emotionen ( Wut , Angst ), Schüchternheit, Ängste (Verlustängste, Versagensängsten etc.)
  • wie reagiert das Umfeld, die Gesellschft
  • Wie sehen Andere mich?
  • ich hab das Gefühl immer ein „Exot“ unter den Anderen zu sein.
  • Haben Andere, die auch TTM haben, noch andere Probleme, z.B.: Zwangsgedanken, Zwangshandlungen, Borderlinesyndrom.......?
  • Gibt es Gemeinsamkeiten mit anderen TTM-Erkrankten:Traumata, Kindheit, Zuhause, Beziehungsfähigkeit?
  • Physische Gemeinsamkeiten: Körpergefühl (sich selber stärker spüren wollen durch z.B. sehr heißes oder kaltes duschen, Sport treiben)
  • Gemeinsamkeiten unter den Familien.
  • Koordinieren, Organisieren, Perfektionismus was ist davon in jedem wieviel vorhanden?
  • Emotionale Verwundbarkeit, etc.

gemeinsam erarbeitet werden.

Um die Treffen abwechslungsreich und informativ zu gestalten bietet es sich zwischendurch an, Fachkräfte wie z.B. einen Therapeuten (Verhaltenstherapeuten, Hypnosetherapeuten, etc.), oder eine Fachkraft in Entspannungtechniken zu einem Vortrag einzuladen. Oder, wenn die technischen Mittel dafür vorhanden sind, sich ein Video, oder eine aufgezeichnete Sendung über ein allerseits gewünschtes Thema gemeinsam anzusehen und beim nächsten Treffen zu besprechen. Es muss sich nicht immer um das eine Grundthema handeln: Ein Orts- und Themenwechsel bringt ab und zu die Gruppe auf andere Gedanken, z.B. alle zusammen eine Ausstellung besuchen, zusammen Essengehen, ein gemeinsamer Kinobesuch oder ein kollektives Wellness-Wochenende usw.

Wichtig ist

  • dass bei diesen Treffen absolutes Vertrauen untereinander herrscht. In der Gruppe kann und wird es zu intimen Gesprächen kommen. Ohne Vertrauen ist keine Offenheit möglich. Deshalb sollte daran erinnert werden, dass persönliche Informationen von Betroffenen, die diese der Gruppe oder dem Einzelnen anvertrauen, auf jeden fall innerhalb der Gruppe bleiben müssen.
  • Wichtig ist auch, dass allen Betroffenen der Gruppe klar ist, dass die SHG keine Therapie ersetzt und jeder für sich selbst verantwortlich ist.
  • Auch ist die SHG kein Kaffekränzchen oder Abladeplatz für die eigenen Sorgen. Es sollte ein gegenseitiges "Geben und Nehmen" sein. Die SHG bietet keine Patentrezepte an, statt dessen ermöglicht sie, durch Gespräche mit anderen, das eigene Problem klarer zu erkennen, es in einem anderen Licht, weg vom alltäglichen Umfeld, zu betrachten. Um dann, einen eigenen Weg zur Bewältigung zu finden.
  • In der Regel bleibt im Laufe der Zeit ein harter Kern der Gruppe bestehen, zu welchem Betroffene hinzu kommen oder nach geraumer Zeit davon wegbleiben . Eine "gesunde" Gruppe übersteht solche Wechsel.

Tipps

  • Konkrete Tipps geben ist schön und gut, aber das sollte man mit grosser Vorsicht tun: Nie beeinflussen! Nie "du mußt" oder "du solltest", sagen! Nur von sich selbst erzählen, evtl. vorsichtig "du könntest", vorschlagen.
  • Bei bestimmten Themen kann es vorkommen, daß "Voyeuristisch veranlagte" es spannend finden, an Gruppen-Treffen teilzunehmen. Es gibt auch andere Arten von Störern, die sich zum Beispiel immer in den Vordergrund drängen oder Regeln nicht einhalten. Die Gruppe braucht eine gewisse Stärke, und Strenge um mit solchen Personen umzugehen. Im Zweifelsfall muss die Gruppe gemeinsam beschliessen, ob es nicht für sie besser wäre, so jemanden von der Gruppe auszuschliessen.
  • Wenn die Aufbruchsstimmung der Gründungsphase einer Selbsthilfegruppe vorbei ist, dann passiert es häufig, daß die Teilnehmerinnen und Teilnehmer nur noch kommen, um Informationen abzuziehen oder womöglich "Kaffee-Kränzchen" abzuhalten. Das ist nicht der Sinn der Sache. Selbstverständlich kann und soll niemand dazu gezwungen werden, aber: es ist wirklich wichtig, daß die Anwesenden aktiv teilnehmen, sich einbringen, von sich erzählen. Die Gruppe braucht Struktur und einen "roten Faden" der sich durch alle Treffen zieht, z.B. Themen gemeinsam erarbeiten (siehe oben).
  • Ständig neue Gesichter bei den Gruppen-Treffen? Das ist zwar schön, braucht aber eine Regelung: Nach dreimaligen Besuch der Gruppe muss man sich entscheiden, ob man ein Mitglied wird. Die Teilnahme an den Treffen ist Verbindlich und für die Gruppe ganz wichtig.
  • Damit nicht bei einem Treffen plötzlich nur zwei oder vielleicht nur ein Mitglied anwesend ist, muss es jemanden geben der sich bereit erklärt Abmeldungen entgegen zu nehmen (eMail oder telefonisch). Damit der Anschluss an die Gruppe nicht verloren geht, ist eine Anwesenheit zwingend. Bei nicht Anwesenheit (ausser Urlaub) wird 5,- Euro in die Gemeinschaftskasse bezahlt. Das Geld wird für ein gemeinsames Essengehen oder z.B. für die Einladung eines Gastreferenten (Gage, Reisekosten, Benzin) verwendet.
  • Sehr viele Selbsthilfegruppen halten nicht viel länger als ein bis zwei Jahre. Dann ist häufig die Luft raus, weil die GründungsteilnehmerInnen sich wieder ihrem Alltag zuwenden möchten und es keine nachfolgende Generation gibt, die sich im nötigen Maße verantwortlich fühlt. Falls es in einer Gruppe eine Leitungsperson gibt, sollte diese rechtzeitig darauf achten, ihre Sache zu übergeben.
  • Da Selbsthilfegruppen sehr oft keine Rechtsform haben, werden sie in der Regel rein ehrenamtlich geführt. Werden bestimmte Voraussetzungen erfüllt, können allerdings Kostenerstattungen und andere Förderungen erreicht werden.

Die Mitarbeit in einer Selbsthilfegruppe lohnt sich bei fast jedem Anliegen oder in schwierigen Zeiten: Bei andauernden seelischen oder sozialen Belastungen, bei gesundheitlichen Problemen, bei Schwierigkeiten z.B. in der Partnerschaft, in der Familie oder am Arbeitsplatz, bei sonstigen Problemen, in schwierigen Lebensphasen.
Die einzige Voraussetzung zur Teilnahme an einer Selbsthilfegruppe ist der Wille aktiv zu werden und etwas für sich selbst zu tun:


Jede/r kann sich einer Selbsthilfegruppe anschließen.
Jede/r kann die Initiative ergreifen und eine Gruppe gründen.

Förderung der Selbsthilfegruppen

Die Leistungen der Selbsthilfegruppen sind in den letzten Jahren als preiswerte Ergänzung zum professionellen Gesundheitssystem von den Kostenträgern entdeckt worden. Daher können Gesundheitliche Selbsthilfegruppen von der gesetzlichen Krankenversicherung gefördert werden. Grundlage ist der § 20 Abs. 4 des Sozialgesetzbuches V. Vielfältige Unterstützungsmöglichkeiten bieten auch andere Institutionen (z.B. Rentenversicherungen aber auch Kommunen und Länder). Für die Unterstützung von örtlichen Selbsthilfgruppen sind die sog. Kontakt- und Informationsstellen von Selbsthilfegruppen (KISS) von Bedeutung, von denen es in Deutschland über 200 gibt. Unterstützung können Selbsthilfegruppen auch in einem Gesundheitshaus* finden, die es in einigen Städten und Kreisen in Deutschland gibt.

* ''Gesundheitshäuser'' haben die Aufgabe, das öffentliche Gesundheitssystem durch bürgerfreundliche Beratungs- und Serviceleistungen attraktiver zu machen. Zu den Angeboten von Gesundheitshäusern gehören häufig unter anderem Ernährungsberatung, betriebliche Gesundheitsförderung und die Unterstützung von gesundheitlichen Selbsthilfegruppen. In Gesundheitshäusern stehen für Selbsthilfegruppen auch Büros (Servicestationen) und Räume zur Verfügung, die von Gruppen oder Institutionen im Gesundheitsbereich für Veranstaltungen genutzt werden können. Insoweit können Gesundheitshäuser auch als spezialisierte Bürgerhäuser begriffen werden.

 

Weiteres Info's unter
Informationen/Selbsthilfegruppen/SGH-Förderprogramm
Informationen/Selbsthilfegruppen/Selbsthilfekontaktstellen

Quellen: Julia Epstein,Vreni Vogelsanger (Stiftung KOSCH Basel) und Wunschkind.de

 
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